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Auf dem Podium:
Dr. Borth, Vorsitzender des Geschichtsvereins Reutlingen Prof. Dr. Grüninger, Autor der Studie: Flechten und Luftqualität in Reutlingen
N.N. Vorstand Verein Industrie-Kulturdenk.mal
Rüdiger Weckmann, Sprecher ILOS
Angefragt: Baudezernat Stadt Reutlingen
Moderation: Thomas De Marco vom Schwäb. Tagblatt

Die Reutlinger Oststadt - in unmittelbarer Nähe der Kernstadt Reutlingens gelegen - ein Juwel der Stadtentwicklung der Jahrhundertwende. Aber wie lange noch? Bereits seit mehr als 10 Jahren setzt sich eine Gruppe von engagierten Bürgern und Bürgerinnen (ILOS) für den Erhalt der Charakteristik der Oststadt und für eine oststadttypische Weiterentwicklung ein. In der Gründerzeit bedeutete oststadttypisch, dass Arbeiten und Wohnen nebeneinander existierten. Der letzte Zeitzeuge dafür ist die ehemalige Heinzelmannfabrik auf der Planie: Fabrikgelände, Fabrikantenvilla und Personalwohnhaus alles auf einem Gelände. Damit dieses letzte Ensemble erhalten bleibt, hat sich der Verein Industrie- Kulturdenk.mal Planie 20/22 gegründet, um genau dafür zu kämpfen. Das ganze Quartier mit allen seinen Facetten ist glücklicherweise auch im Visier des Reutlinger Geschichtsvereins, der die gesamte Oststadt, Strukturen aber auch einzelne Gebäude im Focus hat. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Herr Dr. Borth war zudem noch langjähriger Schulleiter des Isolde-Kurz-Gymnasiums und hat auch dadurch noch einen besonderen Bezug zu diesem “besonderen“ Stadtteil. Seit der Vorstellung der fortlaufenden Untersuchungen über „Flechten und Luftqualität in Reutlingen“ im Gemeinderat durch Herrn Prof. Werner Grüninger und der anschließenden Berichterstattung in den Medien, ist dieser Aspekt des Lebens in der Oststadt ebenfalls zum – besorgniserregenden - Thema geworden. Da die Weiterführung der Bürgerbeteiligung im Zusammenhang mit dem Entwurf des Rahmenplans Oststadt immer noch auf sich warten lässt, andererseits aber durch Neubau, Rückbau, Straßenbau… fortwährend neue Fakten geschaffen werden, laden wir zu dieser – sozusagen – Ist-Zustand-erhebenden Veranstaltung ein.


Bericht: im GEA am 21.12.2012

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Historiker und Bürger beklagen schleichenden Identitätsverlust der Oststadt und drängen auf Rahmenplan

Oststadt: Bausündiges Treiben vermeiden

Von Heike Krüger

REUTLINGEN. Trotz des Gebrüder-Grimm-Jahres und obwohl das Reutlinger Rathaus in puncto Oststadtrahmenplan in einen tiefen Dornröschenschlaf gefallen zu sein scheint - märchenhaft ist dieser nicht zu nennen. Denn was anno 2004 in enger Kooperation von Bürgerschaft und Stadtverwaltung mit Verve angepackt wurde, liegt seit geraumer Zeit auf Eis.
Der vollständige Text: >>>

 Autor: SWP | 19.12.2011

Debatte über Veränderungen im Stadtteil

Reutlingen. 

Bei ihrer letzten Zusammenkunft in diesem Jahr beschäftigte sich die ILOS ( Initiative lebenswerte Oststadt) mit den verschiedenen geplanten Veränderungen ihres Stadtteils. Wegen der geplanten Vergrößerung des Parkhauses an der Berufschule bekam ILOS von einigen benachbarten Anwohnern Besuch. Diese kritisierten sowohl unter dem städtebaulichen Aspekt, neben denkmalgeschützten Häusern aus der Gründerzeit, den zusätzlichen Anreiz zu PKW-Nutzung. Und sie stellten in Frage, ob denn überhaupt, nach Einführung der Parkraumbewirtschaftung, ein erhöhter Parkplatzbedarf bestehe.

Die langjährigen ILOS-Mitglieder unterstützten diese Positionen auch auf dem Hintergrund, dass wieder mal eine Maßnahme ohne den konzeptionellen Hintergrund eines beschlossenen Oststadt-Rahmenplanes getroffen wird. Auch die Frage einer Sperrung oder, wie jetzt doch beschlossen, einer Nichtsperrung der Verlängerung Charlottenstraße (Ortsweg 120), könnte auf der Basis der Rahmenplandiskussionen anders gelöst werden. Statt zu sperren, könnte der Ortsweg 120 durch eine entsprechende verkehrsbremsende Straßengestaltung (Shared space) neu gestaltet und damit auch für Kinder sicherer werden.

Weitere Themen, wie ein Verkehrskonzept für die Oststadt - die Neugestaltung der Bismarckstraße, der Planie 22, der Leonhardskirche und des Leonhardsplatzes - sollten nach Auffassung der Oststädter im Rahmen der fälligen Fortsetzung der Bürgerbeteiligung Oststadt-Rahmenplan erörtert werden. ILOS wird jedenfalls das Gespräch mit den Zuständigen in der Stadt und im Landkreis suchen.

 

Reutlinger Wochenblatt vom 07.01.2010

SEBASTIAN

Ein Herz für die Planie 22


In der Planie werden wohl bald einige Briefkästen
abgehängt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Wochenblattleser. Aber nach all der Neujahrsknallerei werde ich regelmäßig sentimental. Und das sieht dann so aus: Nicht nur, dass ich wie viele andere Menschen auch zahlreiche gute Vorsätze fasse, mit denen ich in das neue Jahr starte. Nein, ich verabschiede mich ausgiebig auch von all dem, was es künftig nicht mehr geben wird.

Mein altes Fahrrad zum Beispiel, das sich nun endgültig nicht mehr reparieren lässt und darum auf den Schrottplatz wandert. Und in diesem Jahr auch: Ein allerletztes Mal über das Gelände der Planie 22 spazieren und dort mit lautem Getöse die Deckel aller dort am Metallgeländer angebrachten Briefkästen auf- und wieder zuklappen lassen. Klack-klack-klack. Denn auch damit wird bald Schluss sein, besinnt sich die Stadtverwaltung nicht doch eines Besseren und hebt die Kündigungen der Mieter in der Planie 22 auf.

Zum Sommer nächsten Jahres sollen dort nämlich alle raus. Bis auf das Theater Tonne, dem per Gemeinderatsbeschluss der Umbau seiner zweiten Spielstätte zugesagt wurde und bis auf das Naturkundemuseum. Für alle anderen - und das sind den Briefkästen am Planie-Eingang nach nicht wenige -­ heißt es: Raus da und den Briefkasten abgehängt. Ohne Pardon. Denn eine neue Heizung soll ins Gebäude eingebaut werden. Und offensichtlich stören bei den Umbauarbeiten die Mieter nur.

Ich habe Ihnen schon einmal davon erzählt. Ja, die Sache lässt mich nicht los. Weil sie mich an etwas erinnert: Ich habe einmal in einem älteren Haus gelebt, das Stück für Stück renoviert wurde. Meine Wohnung war die einzige, die bereits fertig gestellt war. Alle anderen Mieter mussten raus ­ irgendwann sollten neue kommen. Auf jeden Fall aber nicht diejenigen, mit denen sich über lange Zeit eine gut funktionierende Hausgemeinschaft gebildet hatte.

Ähnlich wie jetzt in der Planie, wo nach dem Heizungseinbau neu vermietet werden soll. Mit meinen alten "Mitbewohnern" hatte ich mich um den Garten gekümmert, der eine mähte den Rasen, der andere pflegte den Vorgarten. Wieder ein anderer übernahm kleine Hausmeistertätigkeiten. Alles lief wunderbar. Nachdem das Haus renoviert war und nachdem Wohnungen über, unter und neben mir wieder Menschen eingezogen waren, wollte es mit der Hausgemeinschaft nicht mehr so recht klappen. Wir passten irgendwie nicht zusammen, die neuen Mieter und ich.

Dem Vermieter war das auch nicht wichtig gewesen, denn schließlich hatten die Wohnungen lange leer gestanden. Da zählte für ihn nicht die Hausstimmung, sondern allein die Tatsache, dass schnell wieder Miteinnahmen da sein mussten. Aber damit hatte sich der Vermieter ins eigene Fleisch geschnitten. Denn die neuen Mieter lebten die Wohnungen und das gesamte Haus herunter. Rasenmähen? Nicht mit ihnen. Sich darum kümmern, dass es in und um das Haus ordentlich aussieht? Fehlanzeige.

Ich zog aus. Und damit begann in meinem alten Haus der ständige Mieterwechsel. Wenn ich heute manchmal dort vorbeikomme und auf die mehrfach überklebten Klingelschilder schaue, kenne ich keinen Namen mehr. Wenn überhaupt noch jemand dort wohnt, denn manchmal sieht das Haus ziemlich verlassen aus. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen. Aber ich habe das Gefühl, dass mit der Planie 22 Ähnliches passieren könnte. Die jetzigen Mieter sind ein eingespieltes Team. Sie interessieren sich nicht nur für das, was in ihren eigenen vier Wänden passiert, sondern auch für alles darum herum.

Und dazu gehört auch das Leben in der Oststadt allgemein, für das sich einige von ihnen ­ die Initiative lebenswerte Osttstadt (IlOS) zum Beispiel - mit großem Engagement einsetzen. Dieses Engagement sollte die Stadt Reutlingen und unsere Gemeinderäte nicht zu gering einschätzen. Sie sollten noch einmal darüber nachdenken, ob die Sache nicht so geregelt werden kann, dass die bisherigen Mieter auch die zukünftigen sind. Es wäre mit Sicherheit die nachhaltigere Lösung. Und ich müsste mich in diesem Jahr nicht von allem verabschieden, was mir ans Herz gewachsen ist.

 

Bei den Mietern auf dem Heinzelmann-Areal sitzt der Frust über die Kündigung durch die Stadt tief

Planie 22: Aus fürs globale Klassenzimmer

VON CHRISTOPH B. STRÖHLE - GEA 26.11.2009

REUTLINGEN. Es tut sich was auf dem ehemaligen Heinzelmann-Gelände, besser bekannt als »Planie 22«. 2010 soll dort eine neue Heizungsanlage eingebaut werden. Brandschutzmaßnahmen wie die Errichtung einer Fluchttreppe und Rauchabzugsöffnungen im Dach sollen die zweite Spielstätte Tonne-Theaters außerdem sicherer machen. Ob ein Investor für den Gebäudekomplex in Sicht ist darüber schweigt sich die Stadtverwaltung aus.

Fakt ist, dass die Kommune als Eigentümerin einem Teil ihrer Mieter gekündigt hat. Diese müssen die Planie 22a bis 30. Juni 2010 »vollständig geräumt an die Stadt Reutlingen« übergeben, wie es im Kündigungsschreiben heißt. Betroffen ist der Gebäudeteil, in dem auch die Tonne untergebracht ist. Petr Pandula und seine Kollegen von der »Magnetic Music GmbH« werden die Goldene Schallplatte also abhängen müssen, die seit 15 Jahren den Raum schmückt; 1994 war sie ihnen wegen erfolgreicher Pressearbeit für eine Musikgruppe zuerkannt worden.

Seit 1992 organisiert die Agentur mit eigenem Tonträger-Label und einer Niederlassung in Irland von ihrem Büro in der Planie 22 aus europaweit Konzerte, Tourneen und Festivals mit keltischer Musik und füllt neben Folk-Clubs auch so renommierte Häuser wie die Alte Oper in Frankfurt oder das Gewandhaus in Leipzig.

»Wir sind die einzigen verbliebenen Mieter im Stockwerk. Die anderen sind schon vor Jahren ausgezogen«, sagt Pandula, der sich über die Kündigung ärgert. »Wir sind nicht auf Reutlingen als Standort angewiesen«, fügt er hinzu, nicht zuletzt in dem Wissen, dass die Agentur mit 200 Konzerten jährlich rund 500 000 Euro Umsatz macht und Gewerbesteuer zahlt. Von einer Unternehmensverlagerung, etwa nach Irland, wären vor allem seine drei Mitarbeiter betroffen.

»Wir wollen vernünftig informiert werden«

Pandula fühlt sich über die Gründe für das Vertragsende unzureichend informiert. »So ein Heizungseinbau dauert doch maximal ein paar Wochen. Wenn wir aber erst mal weg sind, sind wir richtig weg.« Genau darum geht es der Stadtverwaltung. »Frei werdende Räumlichkeiten werden nicht neu vermietet«, hat sie die Mieter wissen lassen.

Ebenfalls von der Kündigung betroffen ist das Entwicklungspädagogische Informationszentrum (Epiz), dessen globales Klassenzimmer am angestammten Platz vor dem Aus steht. Die Stadtverwaltung sieht sich nach einem Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 2005 in der Pflicht, eine Ersatzlösung anzubieten. »Wir können nur als Ganzes weiter existieren«, ist Epiz-Leiterin Sigrid Schell-Straub überzeugt. Ein kompletter Umzug scheitere bislang am Geld. So müsste die Einrichtung für ein Alternativquartier in der Innenstadt zehn Euro Warmmiete pro Quadratmeter bezahlen, mehr als doppelt so viel wie bisher.

»Wir wollen vernünftig informiert werden. Daher haben wir uns in einem Brief an die Gemeinderatsfraktionen gewandt«, berichtete Karin Zäh, die Mitglied der Initiative Lebenswerte Oststadt (Ilos) und als »Neigschmeckt«-Macherin selbst Mieterin in der Planie 22 ist. Die frisch gebackene Grünen-Stadträtin Gabriele Janz monierte, es habe keine Beteiligung der Mieter gegeben, obwohl die Stadtverwaltung 2003 zugesichert habe, diese regelmäßig über die Entwicklung zu unterrichten. In einer Mitteilung an den Gemeinderat Anfang November hieß es lapidar: »In Vorbereitung des Heizungs-Neubaus innerhalb des Gebäudes 22a ist die Beendigung der dortigen Mietverhältnisse zum 30. Juni 2010 unerlässlich.« Für die Mieter stelle dies »keine unvermittelte Härte« dar, da insbesondere in Mietversammlungen immer wieder darauf hingewiesen worden sei, dass die Verträge nicht endlos verlängert werden.

Nach Auskunft der Pressestelle der Stadt ist »derzeit offen, wie es nach dem Einbau der neuen Heizanlage weitergeht«. Grundsätzlich stehe der Ausbau zum Theaterzentrum an. Wegen der mauen Haushaltslage sei aber unklar, »wie und wann dies geschieht«.

Daher könne auch zu einer Vermietung nach der Sanierung nichts gesagt werden. Das Atelier Achatz Architekten und IMP Ingenieure aus München erarbeitet jetzt Entwurfs- und Kostenplanung für das Theaterzentrum sowie ein Nutzungskonzept fürs Gesamtareal. Der Gemeinderat soll darüber im ersten Halbjahr 2010 beraten. Als möglicher Investor gilt die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft.

»Das wäre eine Katastrophe für Tonne und Oststadt«

Ilos-Sprecher Rüdiger Weckmann befürchtet, dass es durch die sich abzeichnenden Leerstände zur Verwahrlosung des Areals kommt. »Das wäre eine Katastrophe für die Tonne und die Oststadt.« Er bezeichnete es als »nicht nachvollziehbar«, dass die Stadt in finanziell schwierigen Zeiten auf Mieteinnahmen verzichte. (GEA)
 

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Südwestpresse
Autor: RALPH BAUSINGER | 25.11.2009

Frust und Ärger über die Stadt

Reutlingen. Die Kündigungen lagen Anfang November im Briefkasten: Bis 30. Juni 2010 müssen die Mieter der Planie 22 ausziehen. In einer Pressekonferenz kritisierten sie und ILOS gestern die Informationspolitik der Stadt.

In sieben Monaten sollen sie draußen sein - die 20 Mieter, die gemeinsam mit dem Tonne-Theater die Räume in der Planie nutzen. Die Stadt will dort im zweiten Halbjahr 2010 einen neue Heizanlage für das gesamte Areal einbauen, daneben muss der Brandschutz modernisiert und an die neuen Auflagen angepasst werden. "In Vorbereitung des Heizungs-Neubaus innerhalb des Gebäudes 22a ist die Beendigung der dortigen Mietverhältnisse zum 30. Juni 2010 unerlässlich", heißt es in einer dem Gemeinderat vorgelegten Mitteilung zur Planie 20-22.

"Die Mieter sollen nicht mehr zurück", zeigte sich Rüdiger Weckmann in der gestrigen Pressekonferenz überzeugt. Eine Haltung, die der Sprecher der Initiative Lebenswerte Oststadt (ILOS) nicht versteht: Durch die Leerstände würde die Stadt einen sechsstelligen Betrag an Mieteinnahmen im Jahr verlieren. Auf diesen Punkt hob auch Karin Zäh ab: Mit einer weiteren Vermietung, argumentierte die Neigschmeckt-Macherin, könnte die Stadt noch "Mieteinnahmen generieren", die gut für den städtischen Haushalt wären. Weckmann bemängelte weiterhin, dass es kein Konzept gebe, was nach der "Entmietung" passieren soll. Er befürchtet eine Verwahrlosung des dann leerstehenden Areals.

Petr Pandula hat seit 1992 Räume auf dem ehemaligen Heinzelmann-Areal gemietet. Zwar schwebe das Damoklesschwert schon seit längeren Zeit über den Mietern, räumt Pandula ein. Ein Damoklesschwert, das dafür gesorgt habe, dass sich Unternehmen wie Elektro Müller oder Transvelo nach neuen Räumlichkeiten umgeschaut hätten. Er erinnerte sich an eine Zeit, in der jedes Stockwerk "gerammelt voll", als "blühendes Leben" auf dem Areal herrschte. Pandula kritisierte auch die "verwirrende Gemengelage" und das nicht einheitliche Vorgehen der Stadt gegenüber den Mietern. So erhielten nicht alle der insgesamt 20 Mieter eine Kündigung.

Grünen-Stadträtin Gabriele Janz bewertete das Vorgehen der Stadtverwaltung als "undurchsichtig und punktuell nicht erklärlich" . Es habe keine Beteiligung der Mieter gegeben - obwohl die Stadtverwaltung bei einer Informationsveranstaltung im Jahr 2003 zugesichert habe, diese regelmäßig über die Entwicklung zu unterrichten.

Offen ist derzeit auch, wie es nach dem Einbau der neuen Heizanlage mit der ehemaligen Heinzelmann-Fabrik weitergehen wird. Im Grundsatz steht der Ausbau zu einem Theaterzentrum an. Unklar ist jedoch, wann das Vorhaben - gerade mit Blick auf die leeren Kassen - umgesetzt werden kann. Auf die Frage, ob bis dahin Räume eventuell wieder auf einer provisorischen Basis vermietet werden, konnte Peter Gebert vom Amt für Gebäudemanagement gestern keine Auskunft erteilen.

Als gesichert kann momentan nur gelten, dass die Arbeitsgemeinschaft Atelier Achatz Architekten und IMP Ingenieure aus München ein Papier erarbeitet, das neben einer "Entwurfsplanung und Kostenberechnung für die Theaternutzungen" auch die "Erstellung eines Nutzungskonzepts für das Gesamt-Areal" beinhaltet. Über diese Planungen soll der Gemeinderat im ersten Halbjahr 2010 beraten.

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18.07.09 GEA

Oststadtrahmenplan - Beim Informationsabend im Rathaus-Foyer wurden teilweise harsche Töne angeschlagen

»Da wird Utopia aufgebaut« VON HEIKE KRÜGER

REUTLINGEN. So aufgeheizt wie sein Foyer war am Donnerstagabend auch die Stimmung im Rathaus. Für das eine zeichnete die Sommersonne verantwortlich, für das andere der Oststadtrahmenplan. Oder vielmehr: dessen erster Entwurf. Der hat zwar derzeit nur den Charakter einer Diskussionsgrundlage und soll ab Herbst dieses Jahres weiter entwickelt werden. Nichtsdestoweniger erhitzte er die Gemüter phasenweise ganz erheblich. Und entsprechend emotional gestaltete sich denn auch die von Baubürgermeisterin Ulrike Hotz anberaumte Informationsveranstaltung.

Draußen blieb das Gewitter aus. Drinnen entlud es sich. Zumal etliche der knapp zweihundert Zuhörer, angesichts der ihnen präsentierten Gestaltungs-Vorschläge erst grummelten, dann grollten und schließlich sogar explodierten. Bis hin zum Vorwurf, dass »da etwas ganz gewaltig stinkt«, dass die Verwaltung nicht in ausreichendem Maße auf den Info-Abend aufmerksam gemacht habe, reichten die Unterstellungen, denen sich das Referenten-Quartett - Bürgermeisterin Ulrike Hotz, Amtsleiter Stefan Dvorak (zuständig für Reutlingens Stadtentwicklung), der freie Stadtplaner Professor Wolfgang Everts und Andreas Weber vom Planungsbüro »Kölz« - ausgesetzt sah. Und das, obwohl die Stadt diesmal nicht nur über die Medien, sondern auch per Briefkasten-Steckaktion zur öffentlichen Präsentation eingeladen hatte.

»Wir haben doch schon genug Zwangsbespaßung«

5 000 Handzettel, so Hotz, seien gedruckt und flächendeckend in der Oststadt verteilt worden. Erreicht haben sie aber offenbar nicht alle Haushalte. Denn lediglich ein klägliches Häufchen der Anwesenden will eine offizielle Einladung in der Post gefunden haben. Das Gros der im Rathaus-Foyer Versammelten sei hingegen durch eine Privatinitiative zum Kommen bewegt worden.

Eine Anwohnerin der Kaiserstraße, erfuhr die sichtlich irritierte Bürgermeisterin, hatte ebenfalls via Flugblatt mobilgemacht. Ziemlich erfolgreich. Und so begab es sich, dass annähernd die Hälfte des Auditoriums aus Kaisersträßlern bestand, die - von Besorgnis und persönlicher Betroffenheit getrieben - sehr dezidierte Vorstellungen davon hatten, wie die Info-Veranstaltung ablaufen soll. Am Rahmenplan als solchem schienen sie weniger interessiert. Und anstatt den Ausführungen von Wolfgang Everts zu folgen, meuterten vereinzelte Zuhörer.

Mehrfach wurde der Stadtplaner durch Zwischenrufe unterbrochen. Man wolle, hieß es mehr oder weniger lautstark, nichts vom Gesamtkonzept wissen, wolle nichts von Grünzügen, erhaltenswerter Bausubstanz oder urbaner Kosmetik hören, sondern die Verkehrssituation erörtern.

Da half es wenig, dass Ulrike Hotz resolut zu Ruhe, Besonnenheit und Sachlichkeit aufrief und darauf hinwies, dass es »ein Gebot der Höflichkeit« sei, die Ergebnisse eines von Anfang an unter bürgerschaftlicher Beteiligung entwickelten Entwurfs zu »würdigen«. Zwischenrufer motzten und ertrotzten sich - so jedenfalls der Eindruck - dennoch ein beschleunigtes Ende des ersten Veranstaltungsteils.

Wer bis zu diesem Moment die Ohren gespitzt und die Augen geöffnet hatte, dem dürfte allerdings kaum entgangen sein, dass ihm im Rathaus keine vollendeten Tatsachen serviert worden waren, sondern ein offenes und mitnichten beschlussreifes Konzept, das nach der Sommerpause im Rahmen dreier Arbeitsgruppen weiter entwickelt werden soll. Hotz: »Bringen Sie sich und Ihre Ideen dort ein. Wir sind Ihre Partner, nicht Ihre Gegner!«

Knapp über fünfzig Seiten umfasst der Roh-Entwurf des künftigen Rahmenplans aktuell. Er kann bis 11. September im Eingangsbereich des Rathauses im Rahmen einer Ausstellung eingesehen werden und weist die Oststadt als »guten Wohnort« mit »typischer Mischnutzung« aus. Er charakterisiert sie überdies als grünes Quartier, in dem Kultur »ansatzweise vorhanden ist« und das bis heute den architektonischen Charme der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert atmet: bei großteils solider und gepflegter Bausubstanz.

Sanierungsbedarf bestehe schwerpunktmäßig im Bereich des Burgplatzes sowie der Alb- und Mauerstraße. Im Einzugsbereich des Schulzentrums fehle es an einem Kiosk oder Imbiss, vor allem aber an Stellplätzen. Was Letztere betrifft, sei der Landkreis in der Pflicht, ließ Ulrike Hotz wissen. Ein zusätzliches Parkdeck müsse her; man stehe diesbezüglich in Verhandlungen.

»Da werden die Begüterten begünstigt«

Dass »Dinge des täglichen Bedarfs« insbesondere für betagte Oststädter nicht »fußläufig« zu erreichen seien, wurde ebenso angesprochen wie die Idee, das Quartier gen Achalm noch stärker zu begrünen und gen Altstadt »steinerner« zu gestalten. Ein Gedanke, der offene Empörung auslöste (»das hat was von Einkommensgefälle«, »da werden die Begüterten begünstigt!«) und zum Reizthema Verkehr überleitete.

Nicht abfinden wollen sich die Anwohner der Kaiserstraße - aus ihren Reihen wurde in diesem Zusammenhang und unter spontanem Beifall mit juristischen Schritten gedroht - mit dem Vorhaben, diese künftig gegenläufig befahrbar zu machen; derweil Charlotten- und Gartenstraße verkehrsberuhigt beziehungsweise bereinigt werden sollen. »Ungleichbehandlung«, wetterten potenziell Betroffene ob dieses Ansinnens.

Nicht nachvollziehbar finden manche außerdem den Gedanken, den Leonhardsplatz vom Parkverkehr zu befreien. »Was«, fragte eine Zuhörerin, »machen dann die Kunden von Sparkasse, Tanzschule und Finanzamt?«

Klare Absagen auch an anderer Stelle. Flächendeckende Parkraumbewirtschaftung? - Nein danke. Selbst wenn eine maximale Minimierung des Park-Such-Verkehrs selbstverständlich wünschenswert wäreÉ Ein Theater-Café in der Panie? »Wir haben doch schon genug Zwangsbespaßung.« Entlastung durch den Scheibengipfeltunnel? »Nennen Sie doch mal konkrete Zahlen!« Die Stadtbahn? »Ich fürchte, hier wird Utopia aufgebaut.« Und die Gartenstraße als »Shared Space«, also als Zone die von Fußgängern, Autos und Fahrrädern ohne bauliche Abgrenzung frequentiert wird? »Zu riskant.«

Fazit des Abends: allgemeine Ernüchterung. Zwar hatte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz nach eigenem Bekunden nicht damit gerechnet, »dass heute alle »hurra« rufen werden«. Eine derart emotional geführte und von Ablehnung dominierte Diskussion war für sie aber gewiss auch nicht absehbar gewesen. Als sich um 22 Uhr die Versammlung auflöste, war klar: Wohl und Wehe der Oststadt werden ihre Bewohner und die Verwaltung weiterhin in Atem halten. (GEA)

 

18.07.2009 Schwäbisches Tagblatt

Proteste aus der Oststadt

Planer und Stadt stießen bei der Präsentation des Zukunftskonzepts auf viel Unmut

Die Problemstellung war komplex, die Stimmung im Saal reichlich aggressiv. Als Baubürgermeisterin Ulrike Hotz am Donnerstagabend zusammen mit Fachplanern den Entwurf des Rahmenplans für die Oststadt vorstellte, war Moderationsgeschick gefragt.

Reutlingen. Gut 200 Leute waren ins Rathaus-Foyer gekommen, um die Vorschläge für die Zukunft der Reutlinger Oststadt zu sehen und zu hören. Genauer: Die meisten der Anwesenden wollten klarstellen, dass sie ihr Quartier nach dem Bau des Scheibengipfeltunnels möglichst verkehrsfrei haben wollen.

Missgestimmt waren viel der Anwesenden schon deshalb, weil sie von der Stadtverwaltung keine Einladung zur Präsentation erhalten hatten. „Wir haben 5000 Flyer verteilt“, rechtfertigte sich Hotz. Bei einer Stichprobe im Foyer stellte sich dann allerdings heraus, dass nur gut ein Dutzend der Anwesenden eine städtische Einladung erhalten hatte. Viele, die trotzdem zum Präsentationstermin gekommen waren, wurden durch ein privates Flugblatt mobilisiert – auch gleich zum Protest.

Diese Tatsache bescherte der Baubürgermeisterin einen Abend, der sie als Moderatorin forderte, und Prof. Wolfgang Everts vom gleichnamigen Stuttgarter Planungsbüro mehrere ungehaltene Zwischenrufe und Unterbrechungen.

Als der Fachplaner für Städtebau vorstellte, welche Entwicklungsziele sein Büro aus den Anregungen der (vorgezogenen) Bürgerbeteiligung entwickelte, wurde schnell klar, dass sich viele der Anwesenden schon aufs Verkehrsthema kapriziert hatten. Everts konnte nur einen Teil präsentieren. Diese sehen im wesentlichen vor, dass der Wohnquartiers-Charakter der Oststadt gestärkt werden soll, aber auch die Durchmischung von Wohnen und Arbeiten im Westen des Stadtteils. Die Planie soll als zentraler Grünzug aufgewertet werden. Das benachbarte Heinzelmann-Areal eignet sich nach Auffassung des Planers für einen Kultur-Schwerpunkt, die Kaiserpassage als oststädtisches Handelszentrum.

Aufwerten und erneuern will Everts auch die Gartenstraße („Hier müssen wir neue Adressen schaffen“), den Burgplatz (perspektivisch auch als Haltestelle der Regionalstadtbahn), die Albstraße (inklusive Konzept fürs Wendler-Areal) und den Leonhardsplatz. Letzterer soll vor allem mehr Aufenthaltsqualität bekommen: „Das ist der einzige Platz in der Oststadt, der als eine Art Marktplatz dienen kann.“ Zur Linderung des Parksuchverkehrs in der Oststadt schlagen die Planer ein Gebühren-System und zusätzliche Parkplätze im gewerblichen Schulzentrum vor. Wohlgemerkt Plätze, die vom Kreis zu finanzieren wären.

Kaiser- und Seestraße als örtliche Schlagadern

Erste Zwischenrufe aus dem Publikum fing sich Everts ein, als er das gebietsübergreifende Gestaltungskonzept nannte: „Von der Achalm zur Gartenstraße hin werden wir immer steinerner.“ In der Folge musste die Baubürgermeisterin das Publikum sogar ermahnen, das „Gebot der Höflichkeit“ nicht außer Acht zu lassen. Es half nur kurzfristig, der Planer musste abbrechen und sich vorwerfen lassen, sein Konzept orientiere sich am „Einkommensgefälle“ in der Oststadt („Wo viel Geld ist, ist viel grün, wo weniger da ist, gibt es mehr Beton“), und dass seine Pläne fürs Heinzelmann-Areal (speziell das Theatercafé) einer „Zwangsbespaßung pur“ entsprächen.

Ohne großen Sympathie-Vorschuss aus dem Saal stellte dann Andreas Weber vom Ludwigsburger Planungsbüro Kölz den Entwurf des Verkehrskonzepts vor. Die „zentrale Voraussetzung“ des Planwerks sei dabei, wie er mehrfach betonte, dass der Scheibengipfeltunnel die Oststadt erheblich entlastet. Sollte dies der Fall sein, wollen die Planer den – aus der Not heraus entstandenen – Einbahnverkehr auflösen. Das Konzept sieht vor, die Oststadtstraßen größtenteils zu beruhigen. Für die Gartenstraße wurde gar über die Einführung einer „Shared Space“-Lösung (ein gleichberechtigtes Miteinander von Fußgängern und Autos) nachgedacht.

Die Kaiserstraße, die wie die Bismarckstraße wieder beidseitig befahrbar sein soll, und die Seestraße werden als „örtliche Hauptverkehrsstraßen“ ausgewiesen. „Die haben dann eine höhere Verkehrsbelastung als andere Straßen“, sagte Weber und löste damit neuerlich Empörung aus. Da half es auch nicht, dass Weber betonte, dass dafür der heutige Durchgangsverkehr entfalle, und die Einfahrt in die Albstraße (von Pfullingen her) im Sinne einer Beruhigung überarbeitet werden soll.

Nach längerer und emotionaler Diskussion vertagte Moderatorin Ulrike Hotz die Probleme in die jetzt neu zu gründenden Arbeitsgruppen: „Dafür machen wir das ja alles.“

 

Schwäbisches Tagblatt 23.04.2009

Auf dem Weg zum Zentrum

Podiumsgespräch über die Zukunft von Theater und Kultur in der Planie 22

Der Bogen des Podiumsgesprächs am Dienstagabend war weit gespannt. „Zukunft für Theater und Kultur in der Planie 22“ lautete das Thema vor 60 Besuchern ebendort. Das Fazit ist schnell gezogen. Denn Podium und Publikum waren sich weitgehend einig: Es muss etwas geschehen.

Reutlingen. Zwar richteten sich die Forderungen des vom Reutlinger TAGBLATT-Redakteur Matthias Stelzer geleiteten Podiums konkret an die Stadt. Sie möge endlich und rasch handeln. Doch die Kritik am Besitzer der Immobilie zwischen Planie und Urbanstraße war eher gedämpft. Einig waren sich Diskutanten und Publikum darin, dass das ehemalige Heinzelmann-Areal zu einem Theaterzentrum ausgebaut werden müsse. Neben der vom Gemeinderat schon beschlossenen zweiten Tonne-Spielstätte, einem 300 Besucher fassenden Theatersaal, sollen dort unter anderem die Theaterpädagogen der LAG, das Kindertheater Patati Patata sowie weitere freie Theatergruppen unterkommen und dazu die zahlreichen Initiativen wie das Entwicklungspädagogische Informationszentrum (Epiz).

Zu dem Podiumsgespräch eingeladen hatten der Theaterverein und die Interessengemeinschaft Lebendige Oststadt (Ilos), für die die Planie 22 mehr ist, als nur ein Gebäude. „Sie ist ein Glücksfall für die Stadt und das Theater“, führte Agnete Bauer-Ratzel vom Theaterverein in das Thema ein. Trotz eindeutiger Beschlusslage sei die Planie 22 aber nach wie vor „ein Provisorium“ und ein „eindeutiger Sanierungsfall“. Wie Bauer-Ratzel steht auch Rüdiger Weckmann von Ilos für ein Theaterzentrum in der Planie 22, eingedenk aller Zielkonflikte, die so ein Projekt für die Oststadt mit sich bringe. „Wir bekennen uns zur Oststadt als Mischgebiet“, sagte er, wo die Trennung von Arbeit und Leben aufgehoben sei. Ilos wolle „den Theaterbetrieb in der Planie 22 und den großen Theatersaal“.

„Es ist wunderbar, eine alte Fabrik zu nutzen“, schwärmte Tonne-Intendant Enrico Urbanek. Doch was man provisorisch als zweite Spielsstätte hergerichtet habe, bedürfe dringend der Sanierung. Das Reutlinger „Drei-Insel-Modell“ der Kulturkonzeption von franz. K, Stadthalle und Theaterfabrik sei durchaus „etwas Besonderes“ – wofür man andernorts beneidet werde. Dazu gehöre aber auch der 300er-Saal. Schon jetzt gebe es Zusagen von befreundeten Theatern für insgesamt 200 Aufführungen pro Jahr. – „Man kann sich nur wünschen, dass es ein neues Zuhause fürs Theater gibt“, assistierte Tilmann Pröllochs vom Landestheater Tübingen (LTT). Und „wer, wenn nicht Reutlingen, sollte das überhaupt stemmen können“.

Die Theaterpädagogin Monika Hunze, deren Verein expandiere und dringend eine neue Bleibe nötig habe, wäre, wie sie sagte, in einer künftigen Theaterfabrik jedenfalls gut aufgehoben. Aber auch inhaltlich sei es sinnvoll, „wenn die Ausbildungsstätte für Theaterpädagogen an der Planie 22 andocken“ könnte. Die anderen Mieter, wie Epiz, würden weiterhin gerne Nachbarn der Tonne bleiben, und „auch Theaterpädagogik“, so Sigrid Schell-Straub, „könnte uns gut anstehen.“

Man hätte gleich Eulen nach Athen tragen können. Bei den Kommunalpolitikern waren die Wünsche längst angekommen. „Ich bin leidenschaftlich der Meinung, dass wir uns für den richtigen Ort entschieden haben“, sagte Karsten Amann (CDU), der sich weiters für die vom Gemeinderat beschlossene Modul-Lösung einsetzte, für die zunächst zwei Millionen Euro im Haushalt 2010 freigegeben sind. Faktisch liege vom Gemeinderat ja die Zusage für die Sanierung vor. Für Sebastian Weigle (SPD) war es gerade die Modul-Lösung, die „eine Eigendynamik“ auslöste und die Sache erst ins Rollen brachte. Der fraktionslose Stadtrat Thomas Ziegler sprach gar von einer „erstaunlichen Vorlage“, von einer „enormen Rückendeckung durch die Verwaltung“. Denn der Auftrag an den Architekten umfasse ja „nicht nur die erste Stufe, sondern das ganze Projekt“.

Für den FWV-Gemeinderatskandidaten und Architekten Hubert Krämer ist es vor allem wichtig, „dass das Gebäude in seiner Gesamtheit erhalten bleibt“ und nichts abgetrennt werde. „Wir haben hier ein Bauwerk von herausragender Güte, das nicht besser liegen könnte“ und das außerdem im Oststadtrahmenplan „goldrichtig verankert“ sei. Der Rahmenplan biete auch Lösungen an, „den Parkdruck wegzubekommen“, für den allerdings nicht das Theater, sondern die Schulen verantwortlich seien.

„Wir würden den Prozess gerne beschleunigen“, bekannte sich Friedemann Rupp (Grüne) als Gegner der Modul-Lösung. „Wir wollten es an einem Stück, weil auch die Dauerhaftigkeit der Nutzung eine Form der Nachhaltigkeit“ sei. Überhaupt könne sich die Planie 22 zu einem Zentrum für die ganze Oststadt entwickeln, in dem mit der Tonne, dem zusätzlichen Saal, den freien Theatern, den Proben- und Veranstaltungsflächen die ganze Theaterszene gebündelt werde. – Dem Podiums-Gespräch schloss sich eine muntere Publikumsrunde an, deren Beiträge das gleiche Ziel im Blick hatten – das Theaterzentrum.

Was Sache und beschlossen ist
1991 wurde das Heinzelmann-Areal in der Planie 22 für 2,9 Millionen Euro von der Stadt erworben. Seitdem beschäftigt sich das Rathaus mit der Vermarktung des Komplexes, auf dem ein Museumsdepot, Büros und Geschäfte untergebracht sind. Der Tonne wurden 2003 provisorisch Räume für eine zweite Spielstätte überlassen. Im Juli 2008 beschloss der Gemeinderat dann ein dauerhaftes Bleiberecht. Die Planungen seien so anzulegen, dass eine modulare Erweiterung zu einem Theaterzentrum möglich ist. Am 14. Mai bestimmt der Rat einen Architekten für den Theaterumbau und die Planungen für das Theaterzentrum. Vorgeschlagen wird er von einer Auswahlkommission, in der die Tonne und der Theaterverein als Sachverständige ohne Stimmrecht beteiligt sind.

 

 

GEA 23.04.2009
Kultur - Der Tonne-Theaterverein und »Ilos« luden zum Podiumsgespräch über die geplante Theaterfabrik   
 
Der Bühnenkunst eine Heimstatt           
 
VON CHRISTOPH B. STRÖHLE    
 
  REUTLINGEN. Mit den Worten »Liebe Theaterfreundinnen und Theaterfreunde« begrüßte am Dienstagabend in der Planie 22 Agnete Bauer-Ratzel vom Tonne-Theaterverein die Anwesenden. Mit Wein- und Blumenpräsenten - Blumen für die Politiker, »damit sie Inspiration mitnehmen« - bedankte sie sich bei den Podiumsteilnehmern. Dazwischen lagen zwei Stunden lebhafter Diskussion.      
 
 Die ganz große Kontroverse zum Thema »Zukunft für Theater und Kultur in der Planie 22« blieb jedoch aus. Nicht zuletzt, weil Knut Hochleitner der kurzfristig ausgesprochenen Einladung aufs Podium nicht gefolgt war. Seine FDP/Bürgerliche Mitte hatte sich im vergangenen Juli im Gemeinderat als einzige Fraktion dagegen ausgesprochen, die provisorische Tonne-Spielstätte auf dem ehemaligen Heinzelmann-Gelände zu einem Theaterzentrum auszubauen. Per E-Mail an die Veranstalter - neben dem Theaterverein war dies die Interessengemeinschaft Lebenswerte Oststadt (Ilos) - teilte Hochleitner mit, dass ihm der Sinn nach wie vor nach einer anderen, »für die Stadt bezahlbaren« Lösung steht. Alternativstandorte für die zweite Tonne-Spielstätte seien daher zu prüfen.

»Wer, wenn nicht Reutlingen, soll es stemmen können?«, meinte der Verwaltungsdirektor des Landestheaters Tübingen, Tilmann Pröllochs, auf die Frage von Moderator Matthias Stelzer vom Schwäbischen Tagblatt, ob ein Theaterzentrum, das nicht nur die Belange der Tonne berücksichtigt, überhaupt finanzierbar sei. Kunst brauche ein Zuhause, einen Ort, an dem sich kulturelle Identität entfalten kann. Zu fragen sei daher ganz grundsätzlich: Wo kann Theater in Reutlingen beheimatet werden?

Der mit breiter Mehrheit gefasste Beschluss des Gemeinderats vom Juli 2008 sieht eine Entwicklung des früheren Heinzelmann-Areals in mehreren Modulen vor. Neben der Sanierung der Tonne-Spielstätte ist an einen zusätzlichen Theatersaal mit 300 Plätzen gedacht. Laut städtischer Kulturkonzeption soll dieser - zusammen mit dem bereits verwirklichten soziokulturellen Zentrum »franz.K« und der geplanten Stadthalle - ein glanzvolles Dreigestirn bilden.

Zwei Millionen sind eingeplant

Die Theateroffensive, das LTT, die Theater Lindenhof und Patati-Patata, die LAG Theater-Pädagogik sowie Gastensembles und Schultheatergruppen sollen hier »Spielraum« bekommen. Zwei Millionen Euro sind im städtischen Haushalt 2010 dafür eingestellt. Mitte Mai soll ein Architekt für das Vorhaben gekürt werden. »Es wird ein ausgelasteter Saal sein«, ist sich Tonne-Intendant Enrico Urbanek sicher. Er rechnet mit 200 Veranstaltungen pro Jahr, Gastspielanfragen aus dem In- und Ausland nicht mitgezählt.

CDU-Stadtrat Karsten Amann gab sich überzeugt, »dass wir uns mit der Planie 22 für den richtigen Ort entschieden haben«. Er plädierte dafür, mögliche Partner wie die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Reutlingen (GWG) in die Sanierung des Areals einzubeziehen.

Sebastian Weigle betonte für die SPD: »Die Modullösung war nicht unsere Traumlösung, ist aber ein gangbarer Weg.« Nicht alle Gebäudeteile werde man erhalten können. Bei der Neubebauung sei darauf zu achten, dass die heutigen Nutzer, darunter Vereine, kleine Betriebe und Künstler, nicht übergangen werden. Friedemann Rupp von den Grünen und Unabhängigen sähe den Prozess gerne beschleunigt. Er favorisiert eine »Gesamtplanung und -umsetzung in einem Stück«. Beim Auswahlverfahren will er darauf achten, dass der Architekt sich »mit den Nutzern in ihrer Vielfalt auseinandersetzt«.

Thomas Ziegler, der für die »Linke Liste Reutlingen« fürs Stadtparlament kandidiert, hält es für essenziell, jetzt nicht beim ersten Schritt stehen zu bleiben. Es gehe darum, »die Vision eines Theaterzentrums und lebendigen Stadtquartiers weiterzuentwickeln und den Anwohnern schmackhaft zu machen«. Hubert Krämer, Architekt und Kandidat der Freien Wählervereinigung, plädierte dafür, das Gebäudeensemble, »ein Bauwerk von herausragender Güte«, in seiner Gesamtheit zu erhalten. (GEA)

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Verkehr soll endlich raus
Rahmenplan Oststadt geht jetzt in die zweite Phase der Bürgerbeteiligung

Der Verkehr ist die bei weitem größte Herausforderung, wenn es darum geht, die Lebens- und Wohnqualität in der Reutlinger Oststadt zu verbessern.

Foto: Ralph Bausingerhttp://www.suedwest-aktiv.de/i/x.gifDer Rahmenplan Oststadt erntete viel Lob im Gemeinderat, als das Gremium den Entwurf mit großer Mehrheit zur Kenntnis nahm. Noch vor der Sommerferien soll dazu die Bürgerbeteiligung beginnen.
 
RALPH BAUSINGER
 
Reutlingen Der französische Historiker Fernand Braudel hat einst den Begriff der "longue durée", der langen Dauer, geprägt, um Entwicklungen zu beschreiben, die sich über viele Jahrzehnte hinziehen. Ganz so lange wird sich die Umgestaltung der 118 Hektar großen Reutlinger Oststadt wohl nicht erstrecken. Allerdings wird die Umsetzung der im Rahmenplan Oststadt angedachten Ideen mehr als ein paar Jahre benötigen, handelt es sich doch dabei um einen Teil der Kernstadt mit "ganz besonderem Gepräge, ganz besonderem Charakter und Problemlagen", wie OB Barbara Bosch ausführte. Eines der größten Probleme der Oststadt ist dabei der Verkehr; hier werde der Scheibengipfeltunnel, ist Bosch überzeugt, zu einer Entlastung führen.
 
Hier setzt auch ein Teil der von der Arbeitsgemeinschaft Wolfgang Everts und Gunter Kölz erarbeiteten Planungsziele an. So wird angeregt, den Eingangsbereich zur Oststadt deutlich hervorzuheben - unter anderem durch einen Südplatz am Ende der Albstraße. Die Gartenstraße soll verkehrsberuhigt, der Zugang auf Anlieger und Lieferverkehr beschränkt werden.
 
Dort wird auch, so sie denn kommt, die Stadtbahn verlaufen. Das Verkehrskonzept, dessen wesentliche Züge Arno Valin, Leiter des Amtes für Straßen, Umwelt und Verkehr, skizzierte, setzt auf eine Parkraumbewirtschaftung mit Kurzzeitparken in der Garten- und Kaiserstraße und ein Tagesticket in den weiter vom Zentrum entfernten Bereichen.
 
Der Verkehr ist nur ein Teil der Vorgaben, wie Stefan Dvorak, Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Vermessung, sagte. Da ist beispielsweise die Planie, deren Anfang und Ende mit Plätzen betont werden soll. Der Entwurf bietet auch Vorschläge zur Neugestaltung des Heinzelmann-Areals (Stichwort: Theaterzentrum) oder zur Herausbildung von "Stadtteilzentren".
 
Rainer Löffler (CDU) verspricht sich von einer Umsetzung der im Rahmenplan angedachten Ideen eine "ganz neue Aufenthaltsqualität" für die Oststadt - allerdings bedürfe dieses "Kompendium von Maßnahmen und Planungszielen" noch einer intensiven Diskussion.
 
"Es ist wichtig, dass wir uns eine Leitlinie für anstehende Entscheidungen geben, dass wir wissen, was wir wollen", erklärte Friedemann Rupp. Der Grünen-Stadtrat erinnerte an den Grundsatzbeschluss des Gemeinderats, dass spätestens mit der Eröffnung des Scheibengipfeltunnels die Verkehrsberuhigung in der Oststadt greifen müsse.
 
"Wir sind dabei, unsere Stadt weiter zu entwickeln", lobte Helmut Treutlein (SPD) das differenzierte und hervorragende Konzept, das auch eine neue Verträglichkeit von Wohnen, Einkaufen und Arbeiten in der Oststadt ermögliche.
 
Dieter Weinmann erkennt im Rahmenplan durchaus positive Ansätze, steht allerdings dem angedachten Bau eines Theaterzentrums mit Café und Gastronomie in der Planie 22 skeptisch gegenüber: "Das ist eine absolut kontraproduktive Entwicklung." Deshalb votierte auch die FDP/BMR-Fraktion gegen den Beschlussvorschlag.
 
Er sei "sehr spannend, in manchen Teilen aber auch unausgegoren und von Wunschvorstellungen geprägt", sagte WiR-Stadtrat Jürgen Straub über den Entwurf. Dr. Werner Felix Schobel (WiR), selbst Oststadtbewohner, stellte in den Raum, ob der Scheibengipfeltunnel wirklich eine Entlastung für die Oststadt bringe, schließlich seien dort tagsüber viele Parkplatzsuchende unterwegs. "Wer Achalmtunnel sagt, muss auch Verkehrsberuhigung sagen", erklärte Dr. Edith Ailinger. Sie würde sich für die Oststadtbesucher freuen, wenn der Tunnel wirklich den Verkehr in diesem Teil der Kernstadt reduziere.
 
Ob sich diese Hoffnung erfüllt, wird sich frühestens 2016 zeigen.

Erscheinungsdatum: Samstag 04.04.2009
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/ http://www.suedwest-aktiv.de/i/x.gif